Über die Unzufriedenheit

Jeder kennt sie, niemand will sie haben – die Unzufriedenheit. Ich zumindest nicht. Ich will zufrieden sein! Ein wunderbar erfülltes Leben führen, viele Klienten haben, volle Workshops, den besten Tisch im Lokal, ein glückliches Kind mit guten Noten, …..Ich bin wieder mal auf meinem persönlichen Ponyhof – Friede, Freude, Eierkuchen.

Unzufriedenheit und Mangel

Und doch finde ich mich des öfteren in Situationen wieder, in denen ich absolut nicht zufrieden bin. Es ist ein unangenehmes Gefühl, es fühlt sich an, als ob mir etwas fehlt. Geld, Schlaf, Aufträge, ein Partner, ein guter Freund, ein gesunder Körper, volles Haar, ein neues Auto, ein interessanter Job, Geld.

Unzufriedenheit erwächst meist aus einem Gefühl des Mangels. Es fehlt etwas in unserem Leben, es fehlt etwas um wirklich zufrieden sein zu können.

Was passiert eigentlich in dem Moment der Unzufriedenheit?

Ich bin beschäftigt mit dem was ich nicht habe. Im Moment zum Beispiel zu wenig herausfordernde Aufträge. Und weil ich das nicht gerne habe, bin ich im Widerstand damit, dass gerade Flaute ist. Ich will das verändern, am besten gestern -ich gehe ins Tun. Die Unzufriedenheit zu beenden, indem man aus der Haltung der Unzufriedenheit heraus agiert, löst manches Mal kurzfristig das Problem: „Ich mag meine Haare nicht, ich bin erst zufrieden, wenn sie glatt sind.“ Kaum sind sie glatt, hätte ich sie gern lockig. Kaum ist die Nase korrigiert, bin ich unzufrieden mit dem Lippen. Das neue Auto ist da, aber dann brauche ich ein anderes. Ich befinde mich in einem Staffellauf der Unzufriedenheit, in dem es grundsätzlich egal ist womit ich unzufrieden bin. Langfristig gesehen, ändert sich nichts an meiner unzufriedenen Haltung. Lediglich die Themen ändern sich. Das Gute daran ist, dass ich so mit Tun abgelenkt bin, dass ich gar nicht merke, wie unangenehm es ist unzufrieden zu sein.

Wenn es dann noch immer nicht klappen will, beschäftige ich mich mit folgenden Fragen: „Warum kommt kein Auftrag rein? Warum interessiert sich niemand für mein Angebot? Warum fragt Frau XY nicht nach? Warum habe ich nur 3 Likes auf facebook?“ – Mit all diesen Fragen bin ich nicht mehr bei mir. Ich gehe in den Verstand. Ich bin mit meiner Aufmerksamkeit bei virtuellen Kunden und mit meinem Fokus damit nur mehr im Außen. Aber ich gebe nicht nur der Außenwelt Schuld daran, dass es nicht so kommt, wie ich es gerne hätte, sondern auch mir: „Muss ich mehr machen? Mache ich etwas falsch? Bin ich nicht gut genug? Ist das der richtige Job für mich?

Und auch diese Ablenkungsstrategie beschäftigt sich nicht mit dem eigentlichen Thema – der Unzufriedenheit – sondern ist anderwertig beschäftigt mit Fragen, Ideen, Vorwürfen, Schuldzuweisungen und Wertungen.

Im Grunde geht es gar nicht um die Situationen oder Herausforderungen, welche die Unzufriedenheit hervorrufen, sondern um meine persönliche Haltung zur Unzufriedenheit und wie ich darauf reagiere.

Folgender Reaktionsablauf ist zu verfolgen:

#1 In meinem Leben läuft es nicht ganz so wie ich es gern hätte. Ich fühle, dass ich mit etwas unzufrieden bin.

#2 Ich wehre die Unzufriedenheit ab. Ich gehe in Widerstand. Am liebsten würde ich das sofort ändern – ich werde aktiv und muss handeln, was aber nicht so einfach ist, wenn jemand anderer davon betroffen ist á là „Ich will einen Partner“, „Ich will mehr Kunden“. Woher nehmen wenn nicht stehlen?

#3 Ich bin weiterhin unzufrieden und fühle mich handlungsunfähig, daher suche ich den Fehler bei den anderen, bei der Gesellschaft, bei dem bös meinenden Schicksal. Ich wechsle vom Handeln in den Verstand. Das ändert aber leider auch nichts.

#4 Wenn sich kein Schuldiger finden lässt, dann suche ich die Schuld bei mir. Ich bin in meiner inneren Welt. Das ist sehr unangenehm, weil es meist um meinen Selbstwert geht und meine Berechtigung überhaupt Teil der Gesellschaft sein zu dürfen.

Das Ergebnis ist, dass ich mich noch schlechter, noch hilfloser und noch unzufriedener fühle.

Was wäre wenn Unzufriedenheit nur ein Wegweiser wäre?

Was wäre, wenn ich mir mal die Zeit nehme einfach unzufrieden zu sein?

Wenn ich mir erlaube zu spüren, wie eifersüchtig, genervt, grantig ich bin. Welcher Schmerz eventuell hinter der Unzufriedenheit steckt – „immer werde ich benachteiligt“, „alle anderen haben alles“…..

Die Unzufriedenheit würde ihren Raum bekommen und einfach einmal da sein dürfen. Unzufriedenheit ist nur ein Gefühl. Nicht bewertet, ist es ein Signal in unserem Körper, dass uns erkennen lässt –„Moment, das fühlt sich nicht richtig an, ich mag etwas anderes!“ Unzufriedenheit ist eine transformierende Kraft, den status quo zu verändern.

WAS ALSO TUN?

Die Situation:

Im Grunde ist die Situation egal. Alles was dich unzufrieden macht. Vom fehlenden Partner bis hin zum fehlenden Schlaf. Bei mir wäre es der fehlende Auftrag.

Die Reaktion:

Ich will sofort etwas verändern. Ich werde aktiv in Gedanken und Tun. Ich schreibe ganz viele Angebote und mein Verstand arbeitet emsig an einem Plan neue Kunden zu akquirieren, das Angebot besser zu machen und noch mehr Angebote zu verschicken. Ich bin ernst, weil es geht hier um meine Existenz. Ich bin starr nur auf ein Ding fokussiert und nehme rundherum nichts wahr. Meine Atmung ist flach und nur im Brustbereich, mein Herz klopft spürbar. Mein Bauch zieht sich in der Mitte zu einer Kugel zusammen. Ich stehe unter Strom.

Der Gewinn, den die Reaktion bringt:

Indem ich mich beschäftigt halte, spüre ich die Unzufriedenheit nicht. Ich bin abgelenkt und habe etwas zu tun.

Der Verlust den die Reaktion birgt:

Ich bin nur noch in meinem Verstand, bin ständig mit anderen – den potentiellen Kunden – beschäftigt. Ich bin grantig und gestresst. Meiner „Umwelt“ gebe ich das Gefühl Schuld an meiner Lage zu sein. Würden sie mich buchen, ginge es mir besser….. Ehrlich – würdest Du jemanden buchen, der diese Vibes aussendet?

HACKS ZUM STOPPEN DER UNZUFRIEDENHEIT

#1 Aufmerksamkeit schärfen

Wie bin ich, wenn ich unzufrieden bin? Werde ich sehr aktiv? Gebe ich anderen die Schuld oder resigniere ich? Wie ist meine Körperhaltung? Fordernd, Kinn nach vor, Bauch gehalten? Wie ist meine Atmung? Wie gehe ich mit anderern Leuten um?

#2 Annehmen was ist

Nimm deine Unzufriedenheit an. Das ist kein resignieren, sondern lediglich ein JA zur Realität. JA, im Moment ist es gar nicht so wie ich will. JA, im Moment fehlt mir etwas. Es ist auch ein NEIN zur Reaktion: NEIN, ich reagiere jetzt nicht darauf. NEIN, ich stelle deswegen nicht die Welt in Frage, NEIN, ich gebe auch im Moment niemanden die Schuld.

#3 Spüren was dahinter steckt

Ein alter Schmerz? Das Gefühl des Mangels? Das Gefühl der Ungerechtigkeit? Diese Gefühle sind meist alt und wollen gefühlt werden, wahrgenommen werden und ihren Raum bekommen. Erst wenn du sie erlaubst, ohne sie zu unterdrücken, können sie sich transformieren.

#4 Tun was zu tun ist

Wenn du mit deiner Unzufriedenheit in Frieden bist und nicht mehr dagegen ankämpfst, kannst du mit aller Klarheit entscheiden was du tun musst. Nichts? Viel? Sofort? Schritt für Schritt? Wenn du nicht mehr kämpfst, bist du wieder in deiner Mitte, in Übereinstimmung mit dem was ist. Du bist wieder verbunden mit deinem höchsten Ich, deinem weisen Super – Ich. Es gibt keine alte Ladung mehr, die andere zurückschrecken läßt. Aus dieser Haltung heraus schwingt nichts anders mehr mit, als der reine Wunsch etwas zu erreichen, was du gerne sein/haben/tun möchtest.

Der Gewinn: Ich bleibe in meiner Mitte, ich bleibe erwachsen. Ich kann in aller Klarheit Schritte setzen, um das zu erreichen, was ich mir vorgenommen habe. Ich bleibe flexibel, habe wieder mehr im Blick, denn manchmal kommt es anders als man denkt…..

Der Gewinn für das Gegenüber: Dein Umfeld wird es dir danken, denn nichts ist unangenehmer als die Gesellschaft einer unzufriedenen Person. Insgeheim hat man das Gefühl selber nicht gut genug zu sein für den anderen oder an seiner Unzufriedenheit Schuld zu sein.

Mach FRIEDEN mit deiner UnzuFRIEDENheit!